|
|
Großfeuer in Sudweyhe am Freitag, den 7. August 1874
Folgende Karte des Ortes zeigt das Ausmaß des Brandes anhand des heutigen Ortsplans:
Hierzu berichteten die Bremer Nachrichten:Feuersbrunst in SudweyheAm Freitag Nachmittag gegen 4 Uhr brach in einem von dem Schuhmacher Cordes
bewohnten Miethhause zu Sudweyhe Feuer aus. Der genannte Bewohner des Hauses,
welcher, nebenbei gesagt, blind ist, war allein mit einigen Kindern im Hause; er
bemerkte plötzlich ein unheimliches Knistern; im selben Moment drang auch ein
Nachbar ins Haus und theilte dem Blinden mit, daß das Haus in Flammen stehe.
Der Blinde und die Kinder konnten eben noch rechtzeitig aus dem im Nu an allen
Ecken brennenden Hause herausgeführt werden, während eine Kuh elendiglich in
den Flammen ihren Tod fand. Durch den Wind angefacht, sprang das Feuer über die
Chaussee und entzündete zugleich mehere sehr große Bauernhäuser, die, mit
Stroh gedeckt, ebenfalls sofort in ein Flammenmeer gehüllt waren. Von einem
Hause sprang das Feuer zum anderen und bald brannten folgende Gehöfte: zwei von
Eßdohr, je eines von Winters, Dörgeloh, Oetjen, Wehe-Siemers und Siemers Wwe.,
im Ganzen abgebrannt sind 19 Wohnhäuser und 16 Scheunen. Die Brandstätte nimmt
eine Längeausdehnung von ca. 700 Fuß ein. Das Feuer griff mit solcher
Schnelligkeit um sich, daß Männer, während sie bei Nachbarn Hülfe leisteten,
plötzlich ihre eigenen Wohnungen hinter sich in Flammen stehen sahen. Die Ernte
war zum Teil schon eingebracht und so fand das Feuer auch in den Scheunen
lagernden Vorräthen reichliche Nahrung; etwa 400 Fuder Getreide und Heu sollen
verbrannt sein; da das Vieh auf der Weide war, so kamen außer der im Eingang
erwähnten Kuh nur noch einige Schweine und eine Ziege in den Flammen um.
Mobiliar war hie und da aus den Wohnungen auf die Felder gebracht worden, aber
auch hier nicht vor der Gluth geborgen. Bald standen auch die auf die Felder
gebrachten Tische, Stühle, Betten etc. in Flammen. Leider ist ein großer Theil,
vor allem der den kleineren Leuten gehörenden Mobilien wieder nicht versichert
gewesen, so wurde als nicht versichert genannt: das Eigenthum des Rademachers
Albring, der zufällig einen großen Holzvorrath auf Lager hatte. An dem
versicherten Schaden, der wie der Totalschaden, noch nicht übersehen werden
kann, sind namentlich betheiligt die "Colonia", die "Gothaer
Feuer-Versicherungs-Gesellschaft", die "Gladbacher
Feuer-Versicherungs-Gesellschaft", der "Deutsche Phönix" und die
"Elberfelder Feuer-Versicherungs-Gesellschaft". - Die Löschversuche
wurden von den so rasch als thunlich herbeieilenden Spritzen der Gemeinden
Sudweyhe, Kirchweyhe, Arsten, Ryde, Brinkum, Leeste und Barrien ausgeführt; das
Wasser mußte durch Anbringer von dem etwa 1300 Fuß davonliegenden Weyher See
herbeigeschafft werden. - Wohlthuend berührte das geordnete Arbeiten der
Löschmannschaften, die noch gestern nach 24-stündiger ununterbrochener
Thätigkeit unverdrossen weiter arbeiteten. Das Feuer war selbst gestern Abend
noch nicht ganz bewältigt, aus den Trümmern der Häuser- keines ist auch nur
einigermaßen erhalten gebliben - loderte noch fortwährend eine helle Flamme
auf. - Einige höhere Beamte, auch der Amtshauptmann, waren fast während der
ganzen Dauer der Feuersbrunst an Ort und Stelle gewesen. - Von umliegenden
Ortschaften wurde berichtet, daß brennende Speckstücke auf Entfernungen von
etwa eine Stunde weit gepflogen seien. - Ueber die Entstehungsursache des Feuers
ist noch nichts Bestimmtes festzustellen; vermuthet wurde, daß Kinder durch
unvorsichtiges Spielen mit Zündhölzchen dasselbe veranlaßt hätten. AufrufNachdem durch ein gestern 5 Uhr Nachmittags ausgebrochenes Feuer in Sudweyhe
binnen 2 Stunden 4 Voll- und Halbmeyerhöfe und 16 Köthner, Brinksitzerstellen
und kleinere Behausungen außerdem Scheunen und Stallungen in Asche gelegt sind,
ergeht an wohlhabenden Eingesessenen der Grafschaft Hoya und Diepholz der
dringende Aufruf, die Bedürftigen unter diesen Abgebrannten, welche nicht oder
wenig versichert hatten und Korn und einzelnes Vieh verloren haben, sowie
einzelne schwer betroffene Knechte und Mägde mit milden Gaben zu unterstützen.
Die Noth ist besonders durch die Schnelligkeit groß geworden, womit das Feuer
die Strohdächer ergriff und irgend welche namenswerthe Rettung der eben
geernteten Vorräthe und von Hausrath unmöglich machte, zumal manche Leute fern
auf dem Felde waren. Kirchweyhe, den 8. August 1874 Außer den vorbezeichneten Herren erklären sich auch zur Bequemlichkeit des Publikums die Expedition des Hoyaer Wochenblattes, in Hoya und Syke, sowie unsere Herrn Agenten: Menke & Rabeler in Bassum, F.W. Laue in Stolzenau, Buchbinder Sprick in Uchte, Th. Hamm in Sulingen, Buchbinder Spannhake in Vilsen, Apotheker Krüger in Liebenau, Wilh. Fritsch in Steyerberg und F. & W. Lüers in Thedinghausen zur Empfangnahme von Gaben und Beförderung derselben an Herrn Gemeindevorsteher Schierenbeck in Sudweyhe. |